Was „Qualität“ ist, bestimmt der Kunde – DJV-Brandenburg gegen „Untergangsgetöse“

Das Monopol der klassischen Medien auf Information und Deutung ist verloren und kann in den Zeiten des Internet auch nicht zurückgeholt werden. Wer angesichts der „informationellen Emanzipation und Selbstbestimmung“ von immer mehr Menschen wolkig den angeblich bedrohten „Qualitätsjournalismus“ verteidigen will, setzt sich dem Verdacht aus, in Wahrheit eigene Macht und bevormundende Meinungsführerschaft zu meinen. Das stellte der Vorstand des DJV-Brandenburg fest und positionierte sich damit gegen das „Weltuntergangsgetöse“ um eine nicht näher definierte „Qualität“ sich besorgt gebender Funktionäre. Nach Ansicht des Vorstands bestimmt allein der Kunde durch Kauf oder Nichtkauf, was „Qualitätsjournalismus“ ist.

„Der Bedeutungsverlust der klassischen Medien ist offensichtlich, die auf Fremdbestimmung des Publikums zielende Selbstinszenierung von Journalisten und Journalisten-Funktionären geht mehr und mehr ins Leere,“ sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Götz von Kayser. Der DJV-Brandenburg tritt deshalb für eine der rasanten Entwicklung insbesondere des Internets Rechnung tragende Neuorientierung dessen ein, was Journalismus heute ausmacht. Das Internet ist aus Brandenburgischer Sicht „die beste Chance für Journalisten seit Johannes Gutenberg“, aber keine Bedrohung. Auch daß Funktionären und Verbänden, Parteien und dem Staat die bisherige Kontrolle mehr und mehr entgleitet, sieht der im DJV für seine liberale Haltung bekannte Landesverband positiv. Abgeseen von leider auch im Internet vorhandenen kriminellen Machenschaften, so Vorstandsmitglied Hans Rudolf Koch, solle es bei Presse-, Meinungs- und Redefreiheit nur eine Regel geben: „Es gibt keine Regel. Anything goes. Freiheit statt Sozialismus.“

Der DJV-Brandenburg will nun mit entsprechenden Anträgen die Diskussion anstoßen. „Ein moderner Berufsverband, schon gar einer für Journalisten, geht mit der Zeit – und macht sich nicht lächerlich mit dem aussichtslosen Versuch, sie aufhalten zu wollen,“ faßte der Vorsitzende Hans Werner Conen zusammen.

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