Mehr Zürückhaltung bei Berichterstattung über Gewalttaten

Der Amoklauf von Winnenden sollte alle Journalisten zu einer ernsthaften Selbstkritik führen. Bereits wenige Stunden nach der Tat wurde über die Ursachen spekuliert und überall tauchten Experten auf, die sehr einseitig Ursachenforschung betrieben hatten. Dabei wurden weder Beweise vorgelegt noch Gegenargumente angemessen gewürdigt. Die Medien ergingen sich in unerträglichen Spekulationen über Ablauf und Ursachen. Natürlich meldeten sich dann auch die Vertreter verschiedenster Organisationen und die allwissenden Politiker ein.14

Die einen wussten schon immer, dass Waffen in Wohnungen die Ursache allen Übels sind. Andere sahen natürlich wieder Computerspiele als Auslöser derartiger Gewalttaten. Es wurden von Journalisten sogar Metalldetektoren und hohe Mauern für Schulen gefordert.

Leider hörte man sehr wenig über die Rolle der Medien bei derartigen Gewalttaten oder auch beim Terrorismus. Wer derart ausführlich und mit detailierter Bildberichterstattung über Anschläge berichtet, animiert potentielle Täter zu neuen Taten. Die Täter wollen ins Fernsehen oder auf die Titelseite und es allen einmal richtig zeigen. Hat möglicherweise die wenige Stunden vorher erfolgte Berichterstattung über den Amoklauf in den USA als Auslöser fungiert?

Journalisten sollen berichten und niemand sollte ihnen vorschreiben, wie sie dies tun. Eine sachliche Textberichterstattung richtet da auch wenig Schaden an. Es sind die blutrünstigen Bilder und Videos in Begleitung von zuviel Platz in der Berichterstattung, die zur Nachahmung aufrufen. Journalisten sollten den Tätern nicht die Chance zur Verwirklichung ihrer Selbstdarstellungsträume geben, sonst wird man schnell zum Mitschuldigen.

Am Ende steht die Politik, die sich von der Berichterstattung über die Tat zu immer mehr meist unsinnigen Gesetzesinitiativen animiert sieht und dann der Bürger immer mehr vom Staat überwacht und gegängelt wird.

Journalisten haben einen Berichterstattungsauftrag und eine gesellschaftliche Verantwortung, derer sie endlich auch gerecht werden müssen. Die Quote rechtfertigt nicht alles.

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