Erste deutsche Gewerkschafts-Insolvenz beantragt

Es ist ein in der deutschen Gewerkschafts- und Verbandsgeschichte bislang einmaliger Vorgang: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) setzt alles daran, einen seiner eigenen Landesverbände, nämlich den in Brandenburg, finanziell zu ruinieren und in die Pleite zu treiben. Jüngster Höhepunkt des bizarren Krieges unter Journalisten-Funktionären: Kaum lag der genervte Brandenburger Landesvorsitzende Torsten Witt mit einem schweren Schlaganfall in einer Berliner Klinik, stellte der DJV-Bundesverband gegen den Landesverband beim Amtsgericht Potsdam einen Insolvenzantrag.

DJV will eigenen Landesverband in die Pleite treiben

Den behaupteten Insolvenzgrund hatten sich die seit längerem an tarifpolitischer Erfolglosigkeit leidenden Gewerkschaftler um den Vorsitzenden Michael Konken, einen Marketingberater, zuvor selbst geschaffen: Sie hatten den „Strukturausgleich“, eine Art Länderfinanzausgleich zwischen den „reichen“ Landesverbänden im Westen und den „armen“ im Osten, abgeschafft. Während andere ostdeutsche DJV-Verbände nun aus anderen Quellen Subventionen und angebliche Kredite erhielten, gingen die Brandenburger als einzige leer aus. Statt wie bisher zu nehmen, sollten sie nun geben: Der Bundesverband forderte plötzlich den vollen Beitrag je Mitglied und Monat. Für den auch weiter strukturschwachen Landesverband Brandenburg bedeutet das: Er soll fast seine gesamten Beitragseinnahmen an die Bonner Funktionäre abgeben.

Und weil er das nicht kann, verklagten die sonst um Solidaritätssprüche nicht verlegenen Gewerkschaftsoberen ihre eigenen Kollegen und hatten sogar in erster Instanz Erfolg. Zwar legten die Brandenburger Berufung ein, doch wollen die Journalistenführer vom DJV auf eine rechtskräftige Entscheidung nicht warten. Die erhoffte Pleite ist Eilsache.

Jetzt muß Insolvenzrichter Dr. Graeber beim Amtsgericht Potsdam über die Frage entscheiden, ob wirklich Insolvenz eröffnet wird. Das würde bedeuten, daß zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine Gewerkschaft Pleite macht und als Verein aufgelöst wird. Was aus den Mitgliedern wird, ist unklar: Der DJV-Bundesverband kann ihnen kaum helfen, weil er sich den Kampf gegen nicht linientreue Landesverbände – neben Brandenburg auch Berlin – schon eine Million Euro hat kosten lassen und bei der letzten Prüfung noch knapp 3.000 Euro übrig waren.

Kontakt:

DJV-Brandenburg
Konrad-Wolf-Allee 1
14480 Potsdam
H.W. Conen
(Vertreter des erkrankten Vorsitzenden des DJV-Brandenburg)
0331-2797337

Insolvenzrichter Dr. Graeber
0331–27 98 267

Michael Konken, DJV-Vorsitzender
0171-462 36 78

Hubert Engeroff, DJV-Geschäftsführer
0228-201 72 29

 

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