Frauke Petry und der angebliche Schießbefehl

Olaf Kosinsky/Skillshare.eu
Frauke Petry by Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Während Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) relativ unbeanstandet den Griff zur Waffe gegen Flüchtlinge fordern durfte, wird AfD-Frontfrau für eine viel harmlosere Äußerung medial geschlachtet.

Hier der relevante Teil des Interviews:

Noch mal: Wie soll ein Grenzpolizist in diesem Fall reagieren?

Petry: Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.

Es gibt in Deutschland ein Gesetz, das einen Schießbefehl an den Grenzen enthält?

Petry: Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. Entscheidend ist, dass wir es so weit nicht kommen lassen und über Abkommen mit Österreich und Kontrollen an EU-Außengrenzen den Flüchtlingszustrom bremsen.

Volltext Morgenweb

Der wichtige zweite Satz mit „Ultima Ratio“ wurde natürlich überall weggelassen. Der macht ja auch jede Schlagzeile kaputt. Da nimmt man lieber den „Schießbefehl“ des Interviewers in die Schlagzeile.

Der quer durch die Medien erwähnte Schießbefehl existiert also nur beim Interviewer, nicht aber bei Frauke Petry! Auch ein paar Tage danach erblödet Siegmund Gottlieb sich nicht in der „Münchner Runde“ des BR weiter die Fakten zu verdrehen und insistiert beim AfD-Vertreter Petr Bystron mehrfach, er solle sich von der Petry-Äußerung distanzieren. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun. Lediglich der Politikwissenschaftler Werner Patzelt von der TU Dresden glänzte durch differenzierte Äußerungen.

Lügenpresse

Man muss die AfD nicht mögen, aber die Kritik an einer Partei sollte sich an der Wahrheit orientieren und nicht am Wunschdenken. Schon die Art der Interviewführung des Mannheimer Morgen war nur darauf ausgerichtet, dass Petry irgendwie zur Äußerung der Worte Grenzzaun und Schießbefehl gebracht werden sollte. Als das misslang , sprach es einfach der Interviewer aus und der Mannheimer Morgen nutzte es in einer verkürzten Form zur angestrebten Hetze gegen Petry. Das war dann ein gefundenes Fressen für die Staatssender und die „Qualitätsmedien“ im Lande.

Der Journalismus tut sich mit dieser einseitigen „Berichterstattung“ keinen Gefallen. Ist die Glaubwürdigkeit erst einmal dahin, gibt es so schnell keinen Weg zurück. Nach einer Studie der TU Dresden sind die beiden Hauptmotive der PEGIDA-Demonstranten die Kritik an der Politik und den Medien – und NICHT Flüchtlinge oder Islam! Wie haben wir es als Kinder gelernt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht“

Zeitungskrise

Medien ohne Glaubwürdigkeit finden auch keine zahlenden Kunden. Nicht nur das Internet ist als Ursache des Auflagenschwundes zu sehen, sondern auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Von der Wirkung der Werbegelder auf die Berichterstattung ist dabei noch separat zu reden.

 

 

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