Ein Verband auf Irrwegen

Der Deutsche Journalisten-Verband versteht sich seit geraumer Zeit als der Sittenwächter der Nation und Kämpfer gegen die Meinungsfreiheit. Das erstaunt, sollte sich ein Journalisten-Verband doch besonders für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. 

So möchte der selbstgerechte DJV keine Mitglieder „pressefeindlicher (!)“ Parteien in seinen Reihen dulden. Das Wort „AfD“ wird im Petitionstext zwar vermieden, in der Begründung wird aber deutlich, dass der DJV seine Mitglieder einem Gesinnungstest unterziehen möchte, wie er früher in diversen Regimen gängig war.

Ein Berufsverband sollte sich darum kümmern, dass jede rechtskonforme Meinung geäußert werden kann. Die ständige Diskussion über den Umgang mit „den Rechten“ schadet unserem Berufsstand. Wir werfen dabei alle Grundsätze unseres Berufsstandes über Bord und machen uns zu Gehilfen bestimmter politischer Richtungen.

Werden bald Journalisten geächtet, die nicht vegan leben oder Atomkraft gut finden? Wehret den Anfängen!

Der DJV muss sich wieder auf seine Aufgaben konzentrieren und sich für guten, unabhängigen Journalismus stark machen. So ist die Trennung von Bericht und Kommentar ein Grundelement des guten Journalismus. Wer berichtet, kommentiert nicht und wer kommentiert, berichtet nicht. Der DJV sollte für Unparteilichkeit und Überparteilichkeit stehen. Die einseitige Positionierung des DJV vergrault Mitglieder. Nur ein neutraler Verband ist für alle Journalisten attraktiv.

Leider gehört Selbstkritik nicht gerade zu den Stärken des Bundesverbandes und einiger Landesverbände. Statt die wahren Gründe für Zehntausende Bürger auf den Straßen, die „Lügenpresse“ rufen, kann man nicht einfach der AfD zuschieben. Auch ist es zu kurz gesprungen, dass beängstigende Auflageneinbrüche nur durch das Internet verursacht wurden.

Die Menschen wollen keine Belehrungen und suchen sich ihre Informationen abseits des klassischen Journalismus. Dabei geraten sie natürlich regelmäßig an Verschwörungstheorien oder glauben dubiosen Quellen abstruse Stories. Mit gutem, neutralen Journalismus könnten man diese Menschen zurückgewinnen.

Eine „Dresdner Erklärung“ mit dem Ziel eine politische Partei zu ächten, hilft nur genau dieser Partei und beschädigt den Journalismus nur noch mehr.

Wir dürfen das Lagerdenken nicht weiter fördern. Wer gegen Migration ist, ist kein Nazi und wer den Schutz von Flüchtlingen unterstützt kein Gutmensch. Beides sind zulässige Meinungen, die noch nicht einmal eine politische Richtung ausdrücken. Wir machen es uns mit dem Schubladendenken zu einfach. Journalisten sind nicht für eine Sache, sondern sie liefern nur die Fakten für eine Diskussion darüber.

Wir hoffen daher, dass der Verbandstag unsere Version der „Dresdner Erklärung“ verabschiedet und nicht die ursprüngliche Version.

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